Elbe 1
Verein
Anker
 

Die Schiffe

 

Museumsschiffe der Wasserschutzpolizei

ELBE 1 und ELBE 27

 


MS ELBE 1
ex. „Wasserschutzpolizei 1“ (1965 - 1991)
ex. „Wasserschutzpolizei 3“ (1991 - 1996)

Das seegehende Streckenboot „Wasserschutzpolizei 1“ wurde am 20.Juli 1965 bei der Menzer-Werft in Hamburg-Bergedorf vom Stapel gelassen. Für die Wasserschutzpolizeien der Bundesländer Schleswig-Holstein (u.a. “Helgoland“), Bremen („Bremen 2“) und Hamburg („Wasserschutzpolizei 1“) wurden mehrere typengleiche Küstenstreifenboote gebaut, die sich in den Ausmaßen und der Ausstattung nur unwesentlich voneinander unterscheiden.

Elbe 1
„Elbe 1“ im Nord-Ostsee-Kanal 2007

Die 22 kn. schnelle „Wasserschutzpolizei 1“ wurde am 9. Dezember 1965 in Dienst gestellt, um mit einer max. 9-köpfigen Besatzung schnelle Hilfe bei den unterschiedlichsten polizeilichen Anlässen gewährleisten zu können. Das Einsatzgebiet reichte im Rahmen des mit den Bundesländern Schleswig-Holstein und Niedersachsen geschlossenen Elbe-Abkommens vom Hamburger Hafen bis zur deutschen Hoheitsgrenze in der Nordsee und bestand vorwiegend im Unterelbestreifendienst zwischen Hamburg und St.Margareten (bei Brunsbüttel). Ein Höhepunkt in der Dienstzeit dieses Schiffes stellt sicherlich die Mitwirkung an den polizeilichen Maßnahmen bei den Segelwettbewerben der Olympischen Spiele 1972 in Kiel dar.

Technische, taktische und natürlich auch finanzielle Notwendigkeiten machten später die Reduzierung der Maschinenleistung und damit eine Senkung der Höchstgeschwindigkeit auf 16 kn. notwendig. Die Besatzung bestand jetzt regelmäßig nur noch aus 4 Mann.


Maschinenraum "Elbe 1" Foto Erich Boostedt

Nach der 1991 getroffenen Entscheidung über den Bau eines neuen Küstenstreifenbootes, das auf den Namen „Bürgermeister Brauer“ getauft wurde und als Flaggschiff der Hamburger Wasserschutzpolizei traditionell mit der „1“ bezeichnet wurde, musste unsere alte „WS 1“ ihren Namen hergeben und wurde in „Wasserschutzpolizei 3“ umbenannt, da auch der Name „WS 2“ für einen Neubau („Bürgermeister Weichmann“) vorgesehen war.
Nach Meinung vieler Kollegen der Wasserschutzpolizei, die auf der alten „1“ gefahren sind, ist sie ein „Schiff mit Seele“, das in ihrer Erinnerung weiterhin das Flaggschiff der Hamburger Wasserschutzpolizei bleibt.



„Elbe 1 “in Kiel 2007 Foto Franz Lewitz

Elbe 1 - Technische Daten:

Fahrzeugart: Seeberufsgenossenschaft-Sonderfahrzeug
Unterscheidungssignal: DBJC (als Museumsschiff: DFHH)
Werft: Schiffswerft Ernst Menzer, Hamburg-Bergedorf
Baujahr: 1965
Länge: 32,35 m
Breite: 5,40 m
Tiefgang: 1,70 m
BRT: 113,57
Maschine:
2 MWM V16-Diesel-Motoren
1 Hilfsdiesel
Leistung: 2 x 343 kW (465 PS)
Geschwindigkeit: 16 Knoten
Tankinhalt: 8.000 l Treibstoff (Radius 700 sm)
2.000 l Frischwasser
Ausrüstung: Kreisel- und Magnetkompass, Radar, Seefunk
Polizeifunk, Schlauchboot mit 25 PS-Motor,
2 Hydraulikkräne für Schlauchboot
Anlasskompressor
Küche, Toiletten
Fahrtgebiet: Unterelbe, Hoheitsgewässer mit angrenzenden
Gebieten der Nordsee (Küstenmeer)
Besatzung: 4 Personen
Außerdienststellung: Oktober 1996

Bis zu seiner Außerdienststellung im Herbst 1996 hat dieses Boot vorwiegend im Zuständigkeitsbereich des Wasserschutzpolizeireviers Waltershof (WSR 8, heute WSPK 1), aber auch am Wasserschutzpolizeirevier Cuxhaven über 30 Jahre bei Wind und Wetter 24 Stunden am Tag die Sicherheit auf der Seeschifffahrtstrasse Elbe sowie in der Nordsee gewährleistet.


Die Versteigerung des Schiffes durch die Finanzbehörde nach Außerdienststellung konnten wir dank tatkräftiger Unterstützung durch den Polizeiverein Hamburg e.V. und dessen Vorsitzenden, Staatsrat Dirk Reimers, verhindern. Im Sommer 1997 durften das MUSEUM DER ARBEIT und unser Verein dieses schöne Schiff nach langen, zähen Verhandlungen über finanzielle Ausgleichszahlungen endlich als Museumsschiff übernehmen. Es wurde von uns nach seiner ursprünglichen taktischen Bezeichnung bzw. seinem Rufnamen im Polizeifunk „ELBE 1“ benannt.



MS Elbe 1 im Sommer 2004 Foto Helmut Oberlack

Die Mitglieder des Vereins begannen mit den Sanierungsarbeiten, die aufgrund des erheblichen Umfangs abschnittsweise durchgeführt werden mussten. Leider machte ein trotz gründlicher Voruntersuchung auftretendes kleines Leck im Herbst 2000 die Arbeiten zum Teil wieder zunichte. Mit Hilfe von Sponsoren und der Inanspruch-nahme eines Werftbetriebes wurde der Rumpf saniert und anschließend konserviert. Aufgrund der Schäden nach dem Wassereinbruch wurde auch die zeitaufwendige Restaurierung der Räume im Heck des Schiffes erforderlich. Die Arbeiten dauerten bis zum Sommer 2002 an. In diesem Zusammenhang wurden auch teilweise neue Sicherheits- und Ausrüstungsvorschriften erfüllt, die an ein Traditionsschiff dieser Klasse zu stellen sind. Diese Arbeiten waren nicht nur zeitaufwendig, sondern auch sehr kostenintensiv. So mussten wir nur für diese Sanierung über 50.000,- EURO für Material und teilweise Arbeitslohn investieren.

Nun darf die „ELBE 1“ als Museumsschiff mit einer Zulassung als Traditionsschiff mit max. 40 Fahrgästen und 5 Besatzungsmitgliedern in seinem ehemaligen Einsatzgebiet auf der Unterelbe, dem Nord-Ostsee-Kanal sowie in küstennahen Gewässern (Nord- und Ostsee bis max. 20 sm von der Küstenlinie) fahren.

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MB „Alfred Wachholz“ („ELBE 27“)


ex. „Wasserschutzpolizei 27“ (1959 - 1992)

Ende der 50er Jahre wurde für die Hamburger Wasserschutzpolizei bei der Menzer-Werft in Hamburg-Bergedorf eine Serie von 10 typgleichen Barkassen mit Dieselmotoren, sogenannte leichte Hafenstreifenboote, als Ersatz für die bis dahin eingesetzten Dampfbarkassen gebaut. Der Stapellauf der etwa 29 t schweren „Wasserschutzpolizei 27“ erfolgte im November 1959.


Stapellauf der Wasserschutzpolizei 27 im November 1959

Die „Wasserschutzpolizei 27“ mit ihrem Polizei-Funkrufnamen „Elbe 27“ wurde an verschiedenen Wasserschutzpolizeirevieren im Hamburger Hafen bis hin zum Revier in Lauenburg auf der Oberelbe eingesetzt. Diese Boote nahmen vielfältige polizeiliche Aufgaben wahr: von Streifenfahrten, Transport von Polizeikräften zum Einsatzort (häufig Schiffe, die an den Pfählen lagen), Absperrungen und Sicherung von Gefahrenstellen auf dem Wasser, Rettung von Personen und Bergung von Leichen bis hin zu Eskortierung von Staatsgästen. Besonders in engen Hafenbecken sind die leichten Hafenstreifenboote mit ihrem schmalen Rumpf und dem Verstellpropeller ein sehr wendiges Einsatzmittel, das den Anforderung der Wasserschutzpolizei über lange Zeit gerecht wurde. Traurige Höhepunkte in der Dienstzeit der „Wasserschutzpolizei 27“ waren die Einsätze anläßlich der Flutkatastrophe am 16./17. Februar 1962 oder der Untergang der Barkasse „Martina“ auf der Norderelbe nach Kollision mit einem Schleppzug.

Die „27“ wurde später zum Radar-Schulungsboot der Wasserschutzpolizeischule umgebaut und hat dort bei der Ausbildung von Polizeibeamten der Wasserschutzpolizeien aller Bundesländer eine nicht unwesentliche Rolle gespielt bis sie durch einen Radarsimulator ersetzt wurde.


„Alfred Wachholz “ im Einsatz beim Hafengeburtstag Foto Franz Lewitz

Trotz mehrfacher Modernisierungen, zuletzt im Winter 1986/87 und der optischen Veränderung von grauen zu weißen Aufbauten im Winter 1991/92, war die Barkasse nach über 30 Jahren Polizeidienst technisch nicht mehr auf dem neuesten Stand und entsprach nicht mehr den Anforderungen, die an ein polizeiliches Einsatzmittel gestellt werden. Bis auf derzeit noch 2 Barkassen sind alle Schiffe dieser Baureihe bereits ausgemustert, werden aber auch von privaten Bootseignern noch gern gefahren.

Leichtes Hafenstreifenboot „Wasserschutzpolizei 27“

Werft: Schiffswerft Ernst Menzer, Hamburg-Bergedorf
Baujahr: 1959
Länge: 18,17 m
Breite: 3,90 m
Tiefgang: 1,50 m
Maschine: MWM 8-Zylinder-Dieselmotor
Leistung: 173 KW (235 PS)
Geschwindigkeit: 11 Knoten
Außerdienststellung: Juni 1992


Seit 1993 aber hat diese Barkasse als Museumsschiff „Alfred Wachholz“ bei vielen Museumsstreifenfahrten mit maximal 20 Gästen und bei Filmaufnahmen bewiesen, dass sie immer noch voll funktionstüchtig ist. Abschließend sei hier ein weiterer Beweis der Funktionstüchtigkeit erwähnt, auf den wir stolz sein können: Nach der Übernahme der Barkasse als Museumsschiff haben Besatzungen der „Alfred Wachholz“ bereits drei Personen aus Seenot bzw. vor dem Ertrinken gerettet.


Museumsschiff „Alfred Wachholz“ in Kiel-Holtenau beim Jubiläum des Nord-Ostsee-Kanals 1995

Sollten wir Sie für eine Fahrt mit einem unserer Museumsschiffe interessiert haben,
wenden Sie sich bitte hinsichtlich Terminabsprachen für Gruppenfahrten an unseren Koordinator, Klaus Rogge.


Geschichte - MS „ELBE 1“
ex. „Wasserschutzpolizei 1“ (1965 - 1991)
ex. „Wasserschutzpolizei 3“ (1991 - 1996)


Schiffsstempel des Museumsschiffes ELBE 1

Das seegehende Streckenboot „Wasserschutzpolizei 1“ wurde am 20.Juli 1965 unter der Baunummer 439 bei der Menzer-Werft in Hamburg-Bergedorf vom Stapel gelassen. Für die Wasserschutzpolizeien der Bundesländer Schleswig-Holstein (u.a. „Falshöft“, „Birknack“ und „Helgoland“,), Bremen („Bremen 2“) und Hamburg wurden bei dieser zum damaligen Zeitpunkt für den Bau von sehr funktionalen Behördenschiffen anerkannten Werft mehrere typengleiche Küstenstreifenboote gebaut, die sich äußerlich nur unwesentlich voneinander unterschieden, aber hinsichtlich ihrer Ausstattung auf das jeweils vorgesehene Einsatzgebiet zugeschnitten waren. So wurden die später gebauten, meist für die Nordsee vorgesehenen Küstenstreifenboote etwas größer und mit leistungsstärkeren Motoren ausgerüstet. Für den Neubau der „Wasserschutzpolizei 1“ (WS 1) musste die Stadt Hamburg in den Jahren 1964 und 1965 insgesamt 783.000 DM investierten.

 
Helgoland
Helgoland“ im Büsumer Hafen 2006 Foto: WSP Schleswig-Holstein
 
„Falshöft“ vom Wasserschutzpolizeirevier Kiel Foto: WSP Schleswig-Holstein

Am 9. Dezember 1965 wurde die 22 kn. schnelle „Wasserschutzpolizei 1“ nach einer Bauzeit von 8 Monaten in Dienst gestellt, um mit einer max. 9-köpfigen Besatzung schnelle Hilfe bei den unterschiedlichsten polizeilichen Anlässen gewährleisten zu können. Das Einsatzgebiet reichte im Rahmen vom Hamburger Hafen bis zum ehemaligen Feuerschiff „ELBE 1“ in der Nordsee und bestand vorwiegend im Unterelbestreifendienst zwischen Hamburg und St. Margareten (bei Brunsbüttel).

Schon seit der frühesten Geschichte spielt der freie Handelsverkehr und die Zollfreiheit auf der Elbe bis zur Elbmündung und damit der Zugang zu allen Weltmeeren für Hamburg eine bedeutende Rolle. Diese von Kaiser Barbarossa der Stadt am 7. Mai 1189 verliehenen Privilegien haben der Senat und Kaufleute stets gegen alle Angriffe auch durch Seeräuber verteidigt. Spektakulär war um 1400 der Kampf einer Hamburger Kriegsflotte in der Elbmündung gegen die Vitalienbrüder mit ihren Anführern Klaus Störtebeker und Gödeke Michels, die letztlich zur Gefangenennahme und Enthauptung von Störtebeker führte. Bereits im Jahr 1394 eroberte der Elbmündung und gründete dort das Amt Ritzebüttel (einschließlich des heutigen Cuxhaven sowie der Inseln Neuwerk und Scharhörn).

„WS 1“ vor dem Umbau mit den alten Abgasrohren"

Erst durch das Groß-Hamburg-Gesetz kam es 1937 zu einem Gebietstausch Cuxhavengegen Harburg/Wilhelmsburg. Sowohl die Unterelbe als auch die Hafenanlagen von Cuxhaven verblieben zunächst unter polizeilicher Zuständigkeit der Freien und Hansestadt Hamburg. Die Wasserschutzpolizei – Gruppe Hamburg war im Unterelberaum mit einem Revier in Cuxhaven und einer Station in Brunsbüttel präsent. Als sich Pläne für einen Tiefwasserhafen im Wattenmeer als Alternative für das Ausbaggern der Elbe für die sich ständig vergrößernden Seeschiffe konkretisierten, reduzierte Hamburg durch einen Staatsvertrag im Tausch für dafür benötigten Flächen seinen Einfluss auf die bestehenden Seehäfen in Cuxhaven. Nach Aufgabe der Ausbaupläne für den Tiefwasserhafen aus wirtschaftlicher und ökologischer Sicht widmeten die norddeutschen Küstenländer das Wattenmeer dem Naturschutz. So verfügt Hamburg in der Elbmündung über den „Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer“ mit der bewohnten Insel Neuwerk sowie den unbewohnten Inseln Scharhörn und Nigehörn. Bis zum heutigen Tage ist das Hamburger Wasserschutzpolizeirevier 4 (WSR 4, bis 1976: WSR 12) in Cuxhaven zuständig für die polizeilichen Maßnahmen in diesem Teil des Staatsgebietes.

Unter britischer Besatzung wurde im Mai 1945 der Wasserschutzpolizei - Gruppe Hamburg unabhängig von Ländergrenzen die Zuständigkeit auf der Elbe von der Demarkationslinie zur Sowjetischen Besatzungszone (Elb-KM 475 bei Schnackenburg) bis zur Hoheitsgrenze in der Nordsee zugewiesen. Nach Rückgabe der Polizeihoheit an die Länder ab 1950 übte die Wasserschutzpolizei der Freien und Hansestadt Hamburg polizeiliche Aufgaben auf der Elbe zunächst allein aufgrund einer Vereinbarung zwischen Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Hamburg über die Erweiterung der örtlichen Zuständigkeit ihrer Polizeien aus. Für den Unterelbestreifendienst zwischen Tinsdal und dem Feuerschiff „Elbe 1“ wurde die „Wasserschutzpolizei 1“ vorgesehen, die als schnellstes Polizeiboot die 150 km lange Strecke Hamburg – Feuerschiff „Elbe 1“ theoretisch in 2 ½ bis 3 Stunden bewältigen konnte.

Erst seit 1974 werden die polizeilichen Aufgaben aufgrund des „Abkommens über die wasserschutzpolizeilichen Zuständigkeiten auf der Elbe“ von der Wasserschutzpolizei Hamburg wahrgenommen, obwohl die Elbe ab der Hafengrenze bei Tinsdal Hoheitsgebiet der Bundesländer Schleswig-Holstein und Niedersachsen ist. Die drei Bundesländer einigten sich auf eine Kostenbeteiligung im Verhältnis von je 2 Fünftel für Hamburg und Niedersachsen und 1 Fünftel für Schleswig-Holstein. Bis heute hat Hamburg mit dem größten deutschen Seehafen, der weltweit im Containerumschlag den 7. Platz einnimmt, ein sehr hohes Interesse an der Sicherheit auf der Seeschifffahrtstraße Elbe. Nur der störungsfreie Schiffsverkehr auf der Elbe garantiert die dauerhaft hohe Wirtschaftskraft des Hamburger Hafens und damit der gesamten Stadt.

Einsatztaktische, personelle und wirtschaftliche Überlegungen der Leitung der Wasserschutzpolizei führten zur Aufteilung des Einsatzgebietes Unterelbe. Während im Abschnitt von St. Margareten (nahe Brunsbüttel) bis zum früheren Feuerschiff „Elbe 1“ bzw. zur heutigen Ansteuerungstonne „Elbe“ das Wasserschutzpolizeirevier Cuxhaven zuständig wurde, erfolgte die Betreuung der Unterelbe vom Hamburger Hafen bis zur Reviergrenze bei St. Margareten durch den Unterelbestreifendienst des Wasserschutzpolizeikommissariats 1 (WSPK 1, früher WSR 8). Die Wasserschutzpolizei setzte dafür im wesentlichen zwei Streckenboote ein. Von Cuxhaven wurde zunächst die „WS 12“ eingesetzt, während die „WS 1“ ihren Stützpunkt am WS-Revier Waltershof hatte. Bei Ausfall des originär dort eingesetzten Streifenbootes in Cuxhaven wurde die „WS 1“ jeweils nach dorthin abgeordnet, um die Präsenz auf der Nordsee durch ein großes Küstenstreifenboot aufrecht zu erhalten.

Einen Höhepunkt in der Dienstzeit dieses Schiffes stellt sicherlich die Mitwirkung an den polizeilichen Maßnahmen bei den Segelwettbewerben der Olympischen Spiele 1972 in Kiel dar.Als ein Problem im täglichen Dienst stellte sich immer wieder der Antrieb der „WS 1“ dar. Bei Streifenfahrten im Unterelberaum wurde das Boot meist mit nur geringer Geschwindigkeit gefahren. Dieses wirkte sich nachteilig auf die Abgaslader der Motoren aus, die sich als äußerst reparaturanfällig herausstellten. Daher entschloss man sich, die Abgaslader auszubauen und das Schiff mit einer reduzierten Maschinenleistung statt ursprünglich 2 x 820 PS nunmehr mit 2 x 465 PS zu betreiben. Angesichts des eingeschränkten Einsatzgebietes war die Höchstgeschwindigkeit von 16 kn. statt wie bisher 22 kn. ausreichend. Die Besatzung der „WS 1“ bestand jetzt regelmäßig nur aus 4 Mann.

Foto „Wasserschutzpolizei 1“ querab Övelgönne im Herbst 1983 Foto: WSR 8

Nach der 1991 getroffenen Entscheidung über den Bau eines neuen Küstenstreifenbootes, das auf den Namen „Bürgermeister Brauer“ und als Flaggschiff traditionell „WS 1“ getauft wurde, musste unsere alte „1“ ihren Namen hergeben und wurde in „Wasserschutzpolizei 3“ umbenannt, da auch die „WS 2“ für einen weiteren Neubau („Bürgermeister Weichmann“) vorgesehen war. Nach Meinung vieler Kollegen der Wasserschutzpolizei, die auf der alten „1“ gefahren sind, ist sie auch weiterhin ein „Schiff mit Seele“ und behielt ihrer Erinnerung den Nimbus des Flaggschiffes der Hamburger Wasserschutzpolizei. Nach Indienststellung der neuen „WS 2“ („Bürgermeister Weichmann“) im Jahr 1995 wurde die „WS 3“ zunächst nur noch als Reserveboot verwendet, das im Falle eines Werftaufenthalts eines der neuen Boote eingesetzt werden konnte.

Seit 1991 ist die „Bürgermeister Brauer“ die neue „WS 1 Foto: Fassmer-Werft

So kam die „WS 3“ noch zu Einsatzfahrten auf der Unterelbe und zu einer länger andauernden Verwendung am WSR 4 in Cuxhaven bis sie dann am 1. Oktober 1996 endgültig außer Dienst gestellt wurde.


„WS 3“ im Winter 1995 am WSPK 1 (Waltershof) Foto:Ralph Durhack, Neukloster

Es dauerten die langwierigen Verhandlungen zur Übernahme der „WS 3“ bis in den Sommer des folgenden Jahres. So lange lag dieses Schiff an der Pontonanlage Entenwerder bei der Dienststelle „Wasserfahrzeuge und nautisches Gerät“ der Landespolizeiverwaltung.
Am 1. Juli 1997 schließlich konnten wir das Schiff für das MUSEUM DER ARBEIT übernehmen, um es als Dauerleihgabe des Museums zu erhalten und zu betreiben. Dieses schöne Schiff wurde am 30. August 1997 von uns entsprechend seinem alten Funkrufnamen „ELBE 1“ umbenannt.

Technische Daten:
Unterelbestreifenboot „Wasserschutzpolizei 3

Fahrzeugart: Seeberufsgenossenschaft-Sonderfahrzeug

Unterscheidungssignal:

DBJC
Werft: Schiffswerft Ernst Menzer, Hamburg-Bergedorf
Baujahr: 1965
Länge: 32,35 m
Breite: 5,40 m
Tiefgang: 1,70 m
BRT: 113,57
Maschine: 2 MWM V 16-Dieselmotoren
1 Hilfsdiesel
Leistung: 2 x 343 kW (2 x 465 PS)
Geschwindigkeit: 16 Knoten
Tankinhalt Treibstoff: 8.000 l Diesel (Radius 700 sm)
Tankinhalt Frischwasser: 2.000 l
Ausrüstung: Kreisel- und Magnetkompass, Radar, Seefunk,
Polizeifunk, Schlauchboot mit 25 PS-Motor
2 Hydraulikkräne für Schlauchboot
Anlasskompressor
Küche, Toiletten
Fahrtgebiet: Unterelbe, Hoheitsgewässer mit angrenzenden
Gebieten der Nordsee (Küstenmeer)
Besatzung: 4 Personen
Außerdienststellung: Oktober 1996

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Geschichte - MB „Alfred Wachholz („ELBE 27“)
ex. „Wasserschutzpolizei 27“ (1959 - 1992)



Schiffsstempel des Museumsschiffes ELBE 27

Ende der 50er Jahre wurde für die Hamburger Wasserschutzpolizei bei der Menzer-Werft in Hamburg-Bergedorf eine Serie von 10 typgleichen Barkassen mit Dieselmotoren, sogenannte leichte Hafenstreifenboote, als Ersatz für die bis dahin eingesetzten Dampfbarkassen gebaut. Es handelte um die Boote

 

 
Baunummer
Baujahr
Bemerkungen
WS 14
413
1959
 
WS17
414
1959
 
WS18
415
1958/59
 
WS27
416
1959
Außerdienststellung Juni 1992 (zuletzt Reserve LPV 24)
WS29
417
1959
 
WS21
420
1961
 
WS24
421
1961
Außerdienststellung 2003 (Zuletzt WSPK 2)
WS30
422
1961
 
WS31
423
1961
 
WS32
424
1961
 




Stapellauf „Wasserschutzpolizei 27“ im November 1959


Probefahrt im Schleusengraben, Hamburg-Bergedorf

Verschiedene Boote dieses Typs erhielten voneinander abweichende Ausstattungen. So wurden z.B. die „Wasserschutzpolizei 17“, die im Bereich der Unterelbe eingesetzt wurde, im Heck weitgehend mit einem geschlossenen Deck gebaut und mit für diesen Bereich notwendiger Ausrüstung ausgestattet. Neben einem Schlauchboot auf diesem Heck bestand diese Ausstattung aus einer Rettungsinsel. Immer wieder wurden diese Boote im Laufe ihrer Dienstzeit modernisiert und teilweise auch umbenannt. Die Wasserschutzpolizei konnte auf diesem Wege relativ kostengünstig auf die Veränderung von Aufgaben und damit verbundene Organisationsanpassungen reagieren. Veränderte Ausrüstungsvorschriften und Sicherheitsanforderungen wurden bei der Modernisierung jeweils berücksichtigt. auch zuletzt die Änderung des optischen Erscheinungsbildes von ehemals grau-schwarzem zum heute üblichen weiß-blauen Anstrich gingen nicht spurlos an diesen Polizeibooten vorüber.

"WS 17“ mit zusätzlicher Ausstattung


"WS 30“ auf Streifenfahrt

Die „Wasserschutzpolizei 27“ mit ihrem Polizei-Funkrufnamen „Elbe 27“ wurde an verschiedenen Wasserschutzpolizeirevieren im Hamburger Hafen bis hin zum Revier in Lauenburg auf der Oberelbe eingesetzt. Diese Boote nahmen vielfältige polizeiliche Aufgaben wahr: von Streifen-fahrten, Transport von Polizeikräften zum Einsatzort (häufig Schiffe, die an den Pfählen lagen), Absperrungen und Sicherung von Gefahrenstellen auf dem Wasser, Rettung von Personen und Bergung von Leichen bis hin zu Eskortierung von Staatsgästen. Besonders in engen Hafenbecken sind die leichten Hafenstreifenboote mit ihrem schmalen Rumpf und dem Verstellpro-peller ein sehr wendiges Einsatzmittel, das den Anforderungen der Wasserschutzpolizei über lange Zeit gerecht wurde.

Bild: WS 27“ noch im Originalzustand vor der Modernisierung

Traurige Höhepunkte in der Dienstzeit der „Wasserschutzpolizei 27“ waren die Einsätze anlässlich der Flutkatastrophe am 16./17. Februar 1962 oder der Untergang der Barkasse „Martina“ auf der Norderelbe nach Kollision mit einem Schubverband am 2. Oktober 1984.

Die „27“ wurde später zum Radar-Schulungsboot der Wasserschutzpolizeischule umgebaut und hat dort bei der Ausbildung von Polizeibeamten der Wasserschutzpolizeien aller Bundesländer eine nicht unwesentliche Rolle gespielt bis sie durch einen Radarsimulator ersetzt wurde. Trotz mehrfacher Modernisierungen, zuletzt im Winter 1986/87 und der optischen Veränderung von grauen zu weißen Aufbauten im Winter 1991/92, war die Barkasse nach über 30 Jahren Polizeidienst technisch nicht mehr auf dem neuesten Stand und entsprach nicht mehr den Anforderungen, die an ein polizeiliches Einsatzmittel gestellt werden. Bis auf derzeit noch 2 Barkassen sind alle Schiffe dieser Baureihe bereits ausgemustert, werden aber auch von privaten Bootseignern noch gern gefahren.

„Wasserschutzpolizei 27“ im Einsatz beim Hafengeburtstag 1984

Leichtes Hafenstreifenboot „Wasserschutzpolizei 27" Technische Daten

Werft: Schiffswerft Ernst Menzer, Hamburg-Bergedorf
Baujahr: 1959
Länge: 18,17 m
Breite: 3,90 m
Tiefgang: 1,50 m
Maschine: MWM 8-Zylinder-Dieselmotor
Leistung: 173 KW (235 PS)
Geschwindigkeit: 11 Knoten
Außerdienststellung: Juni 1992

Seit 1993 aber hat diese Barkasse als Museumsschiff „Alfred Wachholz“ bei vielen Museumsstreifenfahrten mit maximal 20 Gästen und bei Filmaufnahmen bewiesen, dass sie immer noch voll funktionstüchtig ist.



Museumsschiff „Alfred Wachholz“ in Kiel-Holtenau beim Jubiläum des Nord-Ostsee-Kanals 1995

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