Die ELBE 27 im Hamburger Hafen
Museumsschiff

Die „ELBE 27"

Amtlich „Alfred Wachholz" — ehemaliges leichtes Hafenstreifenboot der Wasserschutzpolizei Hamburg, seit 1993 als Museumsschiff erhalten und betrieben durch ehrenamtliches Engagement.

Geschichte

Vom Streifenboot zur „ELBE 27"

Die „Wasserschutzpolizei 27" mit ihrem Polizei-Funkrufnamen „ELBE 27" wurde an verschiedenen Dienststellen der Wasserschutzpolizei eingesetzt und nahm vielfältige polizeiliche Aufgaben wahr: routinemäßige Streifenfahrten, Transport von Polizeikräften zum Einsatzort (häufig zu Schiffen, die noch an den Pfählen lagen), Absperrungen und Sicherung von Gefahrenstellen auf dem Wasser, Rettung von Personen und Bergung von Leichen bis hin zur Eskortierung von Staatsgästen. Traurige Höhepunkte während der Dienstzeit waren die Einsätze anlässlich der Flutkatastrophe am 16./17. Februar 1962 und der Untergang der Barkasse „Martina" auf der Norderelbe nach Kollision mit einem Schubverband am 2. Oktober 1984.

Besonders in engen Hafenbecken war dieser Bootstyp mit seinem schmalen Rumpf und dem Verstellpropeller ein sehr wendiges Einsatzmittel, das den Anforderungen der Wasserschutzpolizei über lange Zeit gerecht wurde.

Nach Umbau zu einem Radar-Schulungsboot war die „Wasserschutzpolizei 27" von 1962 bis Februar 1978 an der Wasserschutzpolizeischule eingesetzt. Im Rahmen von vierwöchigen Radar-Lehrgängen für Polizeibeamte der Wasserschutzpolizei aller Bundesländer hatte sie wesentliche Bedeutung für den praktischen Teil dieser Ausbildung. Die Beschaffung eines neuen Radar-Simulators beendete diese Aufgabe, so dass die „WS 27" wieder als normales Streifenboot eingesetzt wurde. In den letzten Monaten ihrer Dienstzeit diente sie als Bootsreserve.

Trotz mehrfacher Modernisierungen — so im Winter 1986/87 und der optischen Veränderung von grauen zu weißen Aufbauten im Winter 1991/92 — war die Barkasse nach über 30 Jahren im Polizeidienst technisch nicht mehr auf dem neuesten Stand und entsprach nicht mehr den Anforderungen an ein polizeiliches Einsatzmittel.

Die ELBE 27 als Museumsschiff
Vom Dienstboot zum Museumsschiff

Neues Leben nach der Außerdienststellung

Nach ihrer Außerdienststellung im Juni 1992 wurde das leichte Hafenstreifenboot „Wasserschutzpolizei 27" durch die Initiative des Vereins „Schiffe der Arbeit e.V." und unter Mitwirkung des damaligen Leiters der Dienststelle „Wasserfahrzeuge und nautische Geräte" der Landespolizeiverwaltung, Alfred Wachholz, zu einem Museumsschiff umgewidmet. Nach einer Entscheidung des Finanzsenators ging das Schiff am 14.08.1992 in das Eigentum des MUSEUM DER ARBEIT über und wurde gleichzeitig dem „Verein für Schiffe e.V." als Dauerleihgabe übergeben. Die Zusammenarbeit dieses Vereins mit dem Museum war nicht reibungslos, so dass der Vertrag seitens des Museums nach kurzer Zeit gekündigt wurde. So verfügte das erst im Aufbau befindliche MUSEUM DER ARBEIT zwar über eine Barkasse, es fehlten aber zur Instandsetzung, Erhaltung und für den Betrieb geeignete, mit diesem Schiff vertraute Personen — die man im Kreis der Bediensteten der Polizei, speziell der Wasserschutzpolizei, suchte.

Am 6. Februar 1993 gründeten Polizeibeamte den Verein für ehemalige WS-Barkassen e.V. und übernahmen im Mai 1993 die vom Museum auf den Namen „Alfred Wachholz" getaufte Barkasse als Dauerleihgabe. Dieser Schiffsname setzte sich im Kreis der Wasserschutzpolizei nicht durch: Jahrzehnte war die Barkasse unter ihrem Funkrufnamen „ELBE 27" angesprochen worden, und das setzte sich auch nach der „Pensionierung" fort. Amtlich heißt die Barkasse weiterhin „Alfred Wachholz", in der Wasserschutzpolizei und im Verein nennt man sie jedoch „ELBE 27".

Seit 1993 hat die Barkasse bei vielen Museumsstreifenfahrten bewiesen, dass sie voll funktionstüchtig ist. Manchmal wird aus dem Schiffspensionär wieder das Polizeiboot — sei es durch die Mitwirkung in Film- und Fernsehproduktionen oder bei Ernstfällen während der Fahrten durch den Hafen: Während des Hafengeburtstages 1993 musste die Besatzung der „ELBE 27" zwei Segler aus einem gekenterten Boot retten, im August 1994 rettete sie einen erschöpften Schwimmer aus einer bedrohlichen Situation in der Norderelbe in Höhe Tollerort.

Aktueller Status

Vorbereitungen zur Saison 2026

Wichtiger Hinweis: Trotz der erfolgreich abgeschlossenen Werftvorbereitungen (siehe unten) finden aktuell leider keine Museums-Streifenfahrten statt — die „ELBE 27" hat einen Antriebsschaden erlitten. Über den Fortgang der Reparaturarbeiten informieren wir an dieser Stelle sowie auf der Seite „Museums-Streifenfahrten".

Moin Moin leeve Lüüd, im Oktober 2025 endete die Saison der ELBE 27. Von November 2025 bis Februar 2026 war witterungsbedingt wenig am Schiff zu tun — regelmäßige Kontrollen auf Wasser- und Frostschäden sowie leichte Innenarbeiten waren möglich.

März 2026: Als erstes großes Thema stand die Verstellpropeller-Anlage (CP-Propeller, „Controllable Pitch") an. Bei dieser Anlage ist die Mechanik deutlich komplexer als bei einer Starrschraube: Da die Welle permanent in eine Richtung dreht, lastet die gesamte Kontrolle über Vorbehalt, Stopp und Rückwärtsfahrt auf der präzisen Bewegung der Propellerflügel — gesteuert über einen hydraulischen Zylinder im Getriebe am Wellenausgang. Aus einem alten baugleichen Reservegetriebe (Getriebe und Motor konnten günstig als Ersatzteilspender erworben werden) wurde dieser Zylinder ausgebaut, in der ELBE 27 eingebaut und erfolgreich probegelaufen. Der ausgebaute Hydraulikzylinder wurde anschließend zur Firma Cornels nach Brunsbüttel gebracht, dort überholt und danach wieder verbaut. Ebenfalls im März wurden die Ventile des Achtzylinder-Motors eingestellt.

25.03.2026 — Einschiffung in die Werft Buschmann: Bei Hochwasser lief die ELBE 27 in die Werft der Firma Buschmann in Hamburg-Veddel ein, um dort auf engem Raum auf den Slip gezogen zu werden. Für die Werftzeit waren unter anderem geplant: Reinigung des Unterwasserschiffs und kompletter Unterwasserschiffs-Anstrich, Hochdruckreinigung des Deckbereichs (Bug, Achtern, Dollbord), Reinigung im Innenschiffsbereich, Schraubenwechsel am Verstellpropeller, Begutachtung der Wellendichtung, Ultraschallmessungen der Rumpfstärke für die Sicherheitszeugnisse, Entrostungs- und Farbarbeiten in Bug und Heckraum sowie Streicharbeiten im Deck- und Fahrgastbereich. Zusätzlich soll die automatische Fettpresse an der Antriebswelle wieder in Betrieb genommen werden, außerdem stand ein Ölwechsel an.

Nach zwei Tagen Werftaufenthalt waren bereits sichtbare Ergebnisse zu erkennen: Der Rumpf wurde mit dem Hochdruckreiniger behandelt, schadhafte Stellen vorbehandelt und der Farbanstrich begonnen. Die offizielle Saisoneröffnung ist für den 11.04.2026 vorgesehen.

Technik im Wandel

Umbauten und Reparaturen

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Technische Umbauten und Verbesserungen

Die Erfahrungen mit dem Schiff im ersten Jahr zeigten, dass insbesondere bei starkem Schiffsverkehr der Schwell anderer vorbeifahrender Schiffe häufig dazu führte, dass der Wellenschlag über die Bordwand schlug und das Boot Wasser nahm. Ferner war die offene Barkassenbauweise bei regnerischem Wetter nachteilig — in der Bilge sammelte sich schnell Wasser, das kostenaufwändig durch Fachfirmen geleert werden musste. Deshalb wurde in Abstimmung mit dem MUSEUM DER ARBEIT im Mai 1994 die Bordwand geringfügig durch Aufschweißen einer Metallkante erhöht und für den Fahrgastraum eine Wetterschutzplane beschafft.

Die Anzahl der Sitzplätze konnte im Winter 1996/97 durch den Verzicht auf die Flüssiggasanlage und den damit ermöglichten Umbau der Sitzbänke zu einer umlaufenden Holzsitzbank vergrößert werden — was zur Wiederherstellung des Urzustandes der „ELBE 27" führte.

Reparaturen: Ein Tampen im Wasser und die Folgen

Zur Sicherstellung der Betriebsfähigkeit wurde die „ELBE 27" immer wieder in Werften aus dem Wasser genommen und besonders die anfällige Wellenanlage mit dem Verstellpropeller überprüft bzw. repariert (Februar 1997, Mai 1999 und Februar 2000). Aufgrund der drastisch gestiegenen Kosten verzichtet der Verein seit dem Winter 1998/99 auf das bis dahin übliche Winterlager mit dem Verbringen des Bootes auf einen Lagerbock. Trotzdem wird über die vorgeschriebenen Untersuchungsfrequenzen hinaus freiwillig, im Einvernehmen mit der Versicherung, vorwiegend der Rumpf auf Materialstärke untersucht und regelmäßig der Unterwasseranstrich erneuert. Durch Eigenleistungen und die freundliche Unterstützung von Sponsoren können die Kosten minimiert werden.

Trotz aller Sorgfalt lassen sich kostenaufwändige Reparaturen leider nicht immer vermeiden: Die ELBE 27 überfuhr im Sommer 2000 während einer Gästefahrt einen unter Wasser treibenden Tampen, der die Antriebswelle so stark beschädigte, dass sie komplett ausgetauscht werden musste. Da derartige, selten benötigte Ersatzteile nicht bei den Werften auf Lager liegen, musste die Welle in bis Januar 2001 dauernden Arbeitsschritten angefertigt und eingebaut werden. Auch in der Saison 2012 fiel das Boot aufgrund eines Getriebe- und Motorschadens längere Zeit aus. Fachkundige und hochmotivierte Mitglieder des Vereins konnten jeweils Ersatz für Motor und Getriebe besorgen und mit viel Eigenleistung sowie eigenen, über Jahre durch die Museumsstreifenfahrten erwirtschafteten finanziellen Mitteln das Boot wieder betriebsbereit machen.

Technische Daten

Die ELBE 27 in Zahlen

1959Baujahr
18,17 mLänge
3,90 mBreite
11 knGeschwindigkeit
WerftSchiffswerft Ernst Menzer, Hamburg-Bergedorf
Baujahr1959
Länge18,17 m
Breite3,90 m
Tiefgang1,50 m
MaschineMWM 8-Zylinder-Dieselmotor
Leistung173 kW (2 x 235 PS)
Hubraum13,5 Liter
Geschwindigkeit11 Knoten
AußerdienststellungJuni 1992
Fotoalbum

Die ELBE 27 in Bildern

Einmal selbst an Bord der ELBE 27

Sobald der aktuelle Antriebsschaden behoben ist, erleben Sie das historische Streifenboot der Wasserschutzpolizei wieder bei einer Museums-Streifenfahrt durch den Hamburger Hafen und auf der Elbe.

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